



Eine 30-köpfige Gruppe war durch Vermittlung von Bürgerstiftung, Wirtschaftsförderung und VHS Rheinfelden jüngst zu Gast in der Birlin-Mühle in Degerfelden. Geschäftsführer in 4. Generation ist Peter Birlin, der zu Beginn der Besichtigung Geschichte, Arbeitsfelder, Produktpalette u.v.a.m. ausführlich erläuterte. Bedingt durch das Mühlensterben seit dem Ende des 2. Weltkriegs mussten die in Deutschland verbleibenden Betriebe entweder stark erweitern oder Nischen besetzen, was im Falle Birlin bestens gelang.
Birlin sprach von drei aktuellen Standbeinen: die traditionelle Herstellung von Mehl, Brotgetreide und Backmischungen; zweitens eine große Auswahl an Tiernahrung, angefangen bei Futter für Insekten bis hin insbesondere zu Pferden; und drittens das Ethno Food mit dem Schwerpunkt Ostafrika, wo Birlin eine der wenigen Marken überhaupt ist und einen Online-Shop betreibt. Die Not der vor Jahrzehnten hier gelandeten Geflohenen aus Eritrea und Äthiopien verhalf der Birlin-Mühle zu diesem neuen Geschäftsfeld. Die Bauern in der Region pflanzen seit vielen Jahren auch Hirse an, die eine wichtige Grundlage der sog. Habesha-Küche darstellt. Und um die Versorgung rundum zu gewährleisten, importiert Birlin auch die dazugehörigen Gewürze sowie rohe Kaffeebohnen.
Einmal pro Jahr reist eine kleine Delegation nach Äthiopien, um mit den Handelspartnern in gutem Kontakt zu bleiben und sich von der Qualität der Lieferungen ein Bild zu machen. Qualitätskontrolle findet selbstverständlich auch in Degerfelden statt, und zwar grundsätzlich bei Anlieferung, um weitere evtl. erforderliche Verarbeitungsschritte in Gang zu setzen, falls das Getreide zu feucht sein sollte. Aber auch während und nach abgeschlossenem Mahlvorgang gibt es Kontrollen, die z.B. zur Bestimmung der Mehltype erforderlich sind.
Das Vermahlen der Getreide erfolgt stufenweise: Je nach Partikelgröße wird gesiebt und separiert und so lange weiter vermahlen, bis die gewünschte Beschaffenheit des Produkts erreicht ist. Das von den Mahlwerken ausgehende Röhrensystem über drei Stockwerke war sehr eindrucksvoll. Trotz Automatisierung konnte Seniorchef Birlin, der in der Mühle führte, „eingreifen“ und diese Unterschiede zum Anfassen präsentieren. Bis zur Abfüllung werden Dunst, Mehl, Grieß, Schrot dann in Silos gelagert.
Im Anschluss an diese spannende Begegnung mit einem alten Handwerk und dessen Veränderungen in der heutigen Zeit freuten sich die interessierten Gäste, deren unzählige Fragen im Laufe des Abends umfassend beantwortet wurden, über die besondere Bewirtung u.a. mit Brezeln, Nüssen, alkoholfreien Getränken und eritreischem Bier.
Vielen herzlichen Dank an das Team der Birlin-Mühle für den herzlichen Empfang, die anschaulichen und umfassenden Erläuterungen und die freundliche Bewirtung.
